Hitzefrei?
- 30. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Nicht für den Blogger, wo denkt ihr auch hin! Das Hirn muss weiter trainiert werden. Quietschend und jammernd ('Level zwei', Seite 139) macht es seine Arbeit.
Jammern? Bestimmt nicht über die Hitze. Erstens nützt es nichts, und zweitens... mag ich sie. 22.5 Grad um sechs Uhr früh und 35 am Spätnachmittag waren etwas viel des Guten. Aber heute ist es schon fast kühl... Vielleicht verstehen wir nun die Pakistani, Saudi und Inderinnen etwas besser, wenn sie auf dem Brienzersee das 'schöne Wetter' geniessen: Bei siebzehn Grad. Wolkenverhangenen Bergketten.
Schönes Wetter ist relativ. Wir nehmen die Strapazen eines Ferienflugs oder stundenlange Fahrten auf überlasteten Autobahnen in Kauf, um in Süditalien, Griechenland oder Andalusien Sonne pur zu finden. Wir räkeln uns um halb elf vor dem Pool der Hotelanlage oder nachmittags im glühenden Sand am Meer und finden es herrlich. Mal abgesehen vom Sonnenbrand. Sogar mit dem Mietwagen oder Reisebus zu einer backofenheissen Sehenswürdigkeit zu fahren, nehmen wir in Kauf. Schliesslich haben wir elf Monate lang dafür hart gearbeitet. Bloss wenn wir dasselbe gratis vor die Haustüre geliefert bekommen, geht das Lamento los.
Denn: Ferienhalber im Liegestuhl zu dösen, sich zwischendurch im Wasser abzukühlen und schlimmstenfalls zum Mittagessen ins klimatisierte Restaurant zu flüchten, ist easy. Seiner täglichen Arbeit nachzugehen, wenn die Luft sich anfühlt wie die frisch eingekochte Aprikosenkonfitüre im Glas, macht viel weniger Spass. Plötzlich können wir den Italienern, Spanierinnen und Griechen nachfühlen, die uns als Gäste betreuen, die Versorgung und das Funktionieren der Infrastruktur sicherstellen oder ganz einfach ihren Lebensunterhalt verdienen. Damit sie sich im November, wenn die Saison vorbei ist, eine Städtereise ins nieselregenkalte Bern leisten können.
Letzter Tag im Juni. Regengrau wäre ein Segen: Für die Hitzegeplagten. Die Vegetation. Die Flussfauna im Mittelland. Die Landwirtschaft. Aber wisst ihr was? Darauf freuen mag ich mich nicht, denn in vier Monaten bleibt es wieder lange genug dunkel und nasskalt. Über die richtige Temperatur kann man debattieren - Licht hingegen stimuliert die Glückshormone. So verfällt das Hirn nicht einfach in einen lethargischen Standby Modus, sondern summt mit geschlossenen Augen ein Sommerliedchen.
Hitzefrei? Ein bisschen. Schwerere Kost darf warten, bis es wieder mal kühler wird. Bestimmt schon bald.
Zu bald.
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