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Falsche Frage

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

'Es ist viel schwieriger, die guten Fragen zu stellen, als sie richtig zu beantworten.' Ich zitiere aus meinem Roman Level zwei. Natürlich hat Haller recht; schliesslich bin ich es, der ihm die Worte in den Mund legt.

Konkreter Anlass: Waymo kommt in die Schweiz. Googles Robotaxis. Wann sie wirklich fahren, werden wir ja sehen. Aber irgendwann kommen sie, kein Zweifel. Rascher als technophobe Zweifler denken. Später als ihre Antipoden, die alles 'affengeil' finden, was mit Sensoren und KI funktioniert. 'Keine Angst', hat kürzlich die NZZ getröstet. 'Sicherer als menschliche Fahrer.' Und gleich einen Experten erklären lassen, der die Versicherungsdaten des Probebetriebs in Austin ausgewertet hat. Seine Erklärung: Computer machen keinen Sekundenschlaf. Sie telefonieren nicht am Steuer. Und wenn, sind sie auf Multitasking programmiert. Wenn sie mal nicht weiterwissen, gehen sie keine Risiken ein, sondern halten einfach an. Nicht praktisch, aber sicher.

Plausible Antwort, falsche Frage!

Unsere Gesellschaft starrt nur noch auf Gefahren. Politik, Medien und Schwurbler verteufeln alles Neue als Risiko: Für die Privatsphäre. Die Jungen. Die Alten. Unsere Kultur. Leib und Leben. Utopie versus Dystopie... Aber die Welt ist nicht Hollywood. Wir Menschen sind weder reif für die Müllhalde noch rettungslos naiv, unflexibel und manipulierbar. Es ist ebenso wenig sinnvoll, jede menschliche Arbeit auf Biegen und Brechen wegzurationalisieren, wie nötig, uns vor Allem und Jedem mit Verboten und Mikromanagement zu schützen.

Ihr seht: Es geht nicht um Robotaxis, sondern um Innovation, Fortschritt und Offenheit für Wandel. Bleiben wir trotzdem exemplarisch bei Waymo und stellen dazu ein paar Fragen, die offenbar gerade niemanden triggern.

Welchen messbaren Nutzen haben wir potentielle Kunden und Nutzerinnen? Können die Waymos beispielweise einen Auftrag zielzeitgesteuert ausführen, das heisst: Uns weder zu früh noch zu spät abholen, um den Zug um 21:02 auf Gleis 32 zu erreichen? Das ist ein Problem normaler Taxis.

Werden sie auch irgendwann billiger? Denn vorerst meint Google: Nein! Die NZZ findet lakonisch: Wir sparen das Trinkgeld. Naja.

Viel wichtiger: Welche Auswirkungen auf Verkehrsfluss und Kapazität unserer hoch genutzten Infrastrukturen haben autonome Fahrzeuge, wenn sie nicht blosse Randerscheinung bleiben? Denn bisher sind sie nur in einem abgesteckten Perimeter nutzbar, gezielt auf Strassennetz und Umfeld trainiert.

Bestimmt werden uns die Hersteller versichern: Alles viel besser als mit menschengesteuerten Autos. Tatsächlich? Da bin ich skeptisch, um nicht nicht zu sagen: Ungläubig. Bei der Eisenbahn wurden und werden seit Jahrzehnten die immergleichen Märchen über Digitalisierung erzählt. 30% mehr Kapazität! Nicht nur unbewiesen, sondern längst widerlegt. Marketinglügen haben lange Beine.

Ihre Entwickler und Unterstützer hoffen natürlich, autonome Fahrzeuge kämen dereinst - bald? - aus der Nische. Würden für Private erschwinglich und flächentauglich. Bevor wir den Fortschritt bejubeln, sollten wir auf dem Bierdeckel die ganze Rechnung machen. Denn die ungelösten Probleme des Verkehrs sind Überlastung in Spitzenzeiten, hohe Infrastrukturkosten, Platzbedarf und Flächenerschliessung. Dass diese dank KI und Sensoren verschwinden, ist nicht plausibel.

Zurück in die Gegenwart.

Ich bin Nichtzürcher und wohne in einer Landgemeinde. Ist Waymo nicht bloss ein Gadget für Grossagglomerationen? Sicher, aber überflüssig, weil dort ohnehin bereits ein hoch verfügbares, breites Spektrum an Mobilitätangeboten vorhanden ist? Wir hingegen haben noch nicht mal einen brauchbaren Fussweg von Autigny zum Bahnhof Cottens. Zwei Kilometer.

Der wäre bestimmt einfacher und billiger zu haben als eine Flotte von Robotaxis.

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