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Jubiläum

  • 13. März 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Seit fünf Jahren - schon? erst? - bin ich pensioniert. Muss ich Zwischenbilanz ziehen? Nein: Das Wesentliche am Rentnerdasein ist, nichts mehr zu müssen. Könnte man denken... Damit der Rentner immer noch ein wenig muss, obschon er nur noch darf, braucht er eine Tagesstruktur, meinen die Ratgeber.

Kein Problem, ich bin ein strukturierter Mensch - eher zu sehr als zu wenig. Ich stelle noch täglich den Wecker, im Durchschnitt vierzig Minuten später als früher an Arbeitstagen, dafür auch am Wochenende: Herrn Burkart wird es freuen.

März 2020: Eine Pandemie, einen Hausumbau und viele, viele tägliche Fussmärsche zum Nachdenken später hat sich der erste Begeisterungssturm gelegt. Neue Normalität? Ehrlich gesagt: Noch nicht. Auch nicht nach fünf Jahren.

Dramatisieren wir nicht: Zur Lohnarbeit zurückkehren ist keine Option, aber das Etikett 'Rentner' passt mir nicht: Es ist weder eine Leistung noch eine Auszeichnung. Eine Schmach? Entgegen düsterer Verschwörungstheorien sind wir weder lästige Schmarotzer noch arme Kreaturen: Mir geht es gut. Ja, ich habe mich nicht vertippt. Gut! Ich hüte vorderhand keine Enkel, bin weder Präsident eines Modelleisenbahn- noch Mitglied in einem anderen Verein und Gartenarbeit war nie mein Ding. Ich fühle mich erfreulicherweise meistens gesund, und dass mein Knie gerade etwas schmerzt, ist kein Gesprächsthema. Offensichtlich bin ich ein atypischer Rentner.

Dass ich arbeiten darf - ich meine: schreiben - ohne Geld dafür verlangen zu müssen, ist ein Privileg. Eben habe ich 'Destination Dreamworld' abgeschlossen, und schon bin ich wieder mitten drin in 'Level zwei': Ich brauche das Gefühl, mit etwas befasst zu sein. Es nicht tun zu müssen, motiviert mehr als jeder Chef: Der fehlt mir überhaupt nicht. Kollegen schon eher, obschon ich nur angelernter und nicht geborener Teamplayer bin. Heute darf ich es zugeben: In der Gruppe tauge ich vor allem als... Chef. Pardon: Mastermind.

Etwas 'tun für die Gesellschaft', das anderen nützt und mir Freude macht? Ich habe es versucht, aber das Argument 'ich kann was und bin gratis' verfängt nicht: Bestenfalls erhält man einen höflichen Zweizeiler als Absage. Doch, es gibt Angebote für ehrenamtliche oder sogar bezahlte Tätigkeiten für Ü65, aber die sind sehr überschaubar und nicht auf Hirnarbeiter wie mich zugeschnitten. Schade! Haben alle - wegen Fachkräftemangel - so viel um die Ohren, dass sie sich nicht auch noch um Entlastung kümmern mögen? Oder sind al... - nicht mehr junge, weisse Männer, denen es gut geht, einfach cringe?

Liebe Alterslobbyisten: Es ist nicht die Arbeit, sondern die Arbeitswelt, die man gerne verlässt, bevor man reif ist für das Altersheim. Da müsstet ihr ansetzen, statt darüber zu streiten, ob man oder frau auch bis sechsundsechzig, siebenundsechzig oder gar siebzig 'durchhalten' könnte: Es geht nicht um 'dass', sondern um 'wie'.

Fünf Jahre. Man rechne: 25% auf dem Weg bis zweiundachtzig. Nachher kommt, hoffentlich, noch ein Bonus, aber irgendwann ist fertig mit lustig. Bis dahin möchte ich leben. Gut leben. Ohne Kartonverpackung 'Vorsicht: Renter', wenn ich bitten darf.

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