Wettbüro
Das Wetter interessiert mich mehr als Wetten. Beide haben gemeinsam, dass man sich böse verschätzen kann. Bei ersterem wird man nass, bei letzteren verliert man Geld.
Gefahrlos lebt, wer die Wetterprognose verfolgt und auf der Terrasse bleibt: Da kann man auch die Sonne geniessen, und fällt ein unzeitiger Regentropfen, hält sich der Schaden in Grenzen. Ebenso kann man wetten ohne Einsatz. Einfach so zur Freude. Und genau das mache ich in diesem Blog - entgegen meinen Gepflogenheiten.
Nun könnte ich auf Dinge wetten, von denen ich etwas verstehe. Oder hoffe, zu verstehen. Eisenbahn, zum Beispiel. Aber das wäre zu langweilig. Eine Art Insidergeschäft. Interessiert auch niemanden, oder?
Nun hat uns heute Guy Parmelin einen Steilpass zugespielt! Wetten, dass er zurücktritt? Kleiner Scherz, ihr habt es alle schon erfahren. Die NZZ ist des Lobes voll, was bei einem SVP-ler aus der Bauernlobby auf eine sehr solide Erfolgsgeschichte schliessen lässt. Wer hätte das bei seiner Wahl geglaubt? Ein typischer Trotzallem-Bundesrat. Mit einem Namen, der, passend für einen Vaudois, nach Apéro tönt: Parmesan und Cornalin. Ein Italiener der eine, ein Walliser der andere. Passt. Völkerverständigung der helvetischen Art – im Carnotzet.
Wetten, dass die SVP ihren Bundesratssitz im Dezember erfolgreich verteidigt?
Kein Scherz, sondern ein eine Wette auf die Bank: Wählerstärkste Partei der Schweiz, auf kantonaler und kommunaler Ebene weiterhin auf Wachstumskurs. Sie hat arithmetisch auf zwei Sitze im Siebnerkollegium Anspruch. Da herrscht Konsens.
Wetten, diesmal kommt die SVP nicht drum herum, eine Frau zu wählen? Ich sage: Top!
Wetten, die SVP will nicht leisten, wieder als Partei der Deutschschweizer Neinsager wahrgenommen zu werden? Ich sage: Top!
Also eine welsche Frau. Wetten, Céline Amaudruz wird Kandidatin? Ich sage: Top!
Sie hat das ideale Alter - mit Jahrgang 1979 kann ihr niemand die politische Erfahrung absprechen, und sie ist auch noch zu jung für einfältige Grosi-Witze. Sie stützt den rechtsnationalen Parteikurs, ist offenbar in Finanz- und Wirtschaftsfragen fit und wäre somit eine valable Nachfolgerin im Volkswirtschaftsdepartement. Pardon, dem WBF.
Kandidatin. Sofern sich Frau Amaudruz nicht als Neinsagerin profiliert wie leider schon zahlreiche wählbare Frauen bei anderen Bundesratswahlen.
Aber: Wird sie dann auch gewählt? Sie ist sicher nicht überall beliebt und könnte beim berühmten Gmögigkeitstest durchfallen. Weil die SVP vermutlich aus Fairnessgründen ein Zweierticket aufstellen wird, könnte ein Nobody das Rennen machen. Kein Schweizuntergang: Parmelin war auch einer.
Trotzdem setze ich meinen nicht existierenden Ruf als Politaugur aufs Spiel und sage: Top, die Wette gilt! Céline. Mir gefällt der Vorname.
Man darf rätseln, ob es noch weitere Rücktritte gibt. Vielleicht Cassis?
Und schon auf den nächsten Kampfschauplatz blicken: Die Von-Wattenwyl-Gespräche. Bekommt Amaudruz das WBF oder schnappt es sich unsere eiserne Lady KKS? Wenn Cassis geht, möchte Jans vielleicht das EDA übernehmen? Pfister die Finanzen? Und Amaudruz darf beim EJPD zeigen, wie eine SVP-Bundesrätin die Migrationsknacknuss löst?
Hat mich jetzt gerade das Wettfieber gepackt?
Auf Wiedersehen am Wahltag im Dezember!
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