Wunschgeschenk
- daehlert
- 20. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Weihnachtsgeschenke habe ich abgeschafft. Ich schenke spontan oder zum Dank - für eine Einladung, einen Gefallen. Am liebsten Essbares, da liege ich nie falsch: Schokolade. Wein. Ein Glas Honig. Nein, ich bin nicht geizig, aber ja, ich bin unbegabt darin, andere mit Materiellem zu überraschen. Positiv, denn gut gemeint, aber doch unnütz, hinterlässt ein Gefühl hilfloser Beschämung. Beim Schenkenden, beim Beschenkten.

Mein besonderes Wunschgeschenk? Das habe ich vor exakt sechzig Jahren erhalten: Die 'elektrische' Modelleisenbahn. 'Du musst sieben Jahre alt sein', erklärten meine Eltern und hielten eisern durch. Mein Pech: Im Februar zum Geburtstag 'gibt es kein so teures Geschenk', also musste ich weitere zehn Monate bis Weihnachten warten. Immerhin durfte ich dann gleich 'richtig' starten: Mit einem Oval, drei Weichen und der Ae 6/6 von Fleischmann. Grosi und die beiden Tanten steuerten je einen grünen Einheitswagen bei, und den passenden Speisewagen konnte ich am 27. Dezember bei Schaufelberger zukaufen. Das 'Ysebahnkässeli' war, Warterei sei dank, mit gesparten Zehnern und Zwanzigern prall gefüllt. Münzen, nicht Nötli, wohlverstanden.
Nie wieder habe ich einem Geschenk so entgegengefiebert. 'Das Besondere an einem glücklichen Moment ist seine Nichtwiederholbarkeit', dozierte Rektor Studer im Ethikkurs. Autsch! 'Möcht' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!' hofft Faust, und zählt auf die Hilfe von Mephisto. Da wird das Wunsch- zum Danaergeschenk. Darauf verzichten wir gern.
Zurück vom philosophischen Höhenflug auf den Erdboden der Kalauer. 'Pass auf, was du dir wünschst, es könnte sein, dass du es kriegst!' Da ist was Wahres dran. Begehrlichkeiten kommen und gehen wie die Lebensjahre: Rückblickend bin ich froh, dass sich nicht alle erfüllt haben. Ich rede nicht von selbstlosem Verzicht, so edelmütig bin ich nicht gestrickt. Aber jede Nichterfüllung lässt Platz für anderes. Besseres? Trotzdem hätte ich ab und zu aufmerksamer auf meine Wünsche achten, sie mutiger äussern dürfen. Die Angst vor dem Nein erstickt die Chance auf ein Ja.
Ich mag nicht mehr beschenkt werden? Oh doch. Meine Wunschgeschenke brauchen allerdings kein Einwickelpapier. Es wäre auch übergriffig, sie sich laut zu wünschen. Die wertvollsten Dinge - Plattitüdenalarm!!! - gibt es nicht gegen Geld: Vertrauen. Zuneigung. Zeit. Ein gutes Gespräch. Interesse an meiner Person und meinen Gedanken. Das schenkt man sich, ohne Plan und Absicht, gegenseitig. Sonst schmeckt es bitter.
Manchmal verwechseln wir Wünsche mit Hoffnungen. Als ü60 Gesundheit bis kurz vor dem Tod, vor allem mental. Als ü40 den finalen Durchbruch im Beruf. Als ü20 zauberhafte Liebesbeziehungen und, vielleicht, Familie und Kinder. Das alles bringt nicht der Weihnachtsmann. Wir können zur Erfüllung beitragen, aber Umfeld, Gene und... der Zufall entscheiden, was man davon kriegt und was nicht.
Aber viele Wünsche liegen in unserer Hand: Zufriedenheit. Optimismus. Neugierde und Interesse, wofür auch immer. Kreativ sein. Ein gutes Stück von alledem finde ich beim Schreiben. Nicht täglich mit demselben Erfolg, aber stets mit motiviertem Bemühen. Ich freue mich, damit ein paar Leserinnen und Leser, und mich selbst, ein wenig zu beschenken.
Doch, das wünsche ich mir von Herzen. Nicht nur zu Weihnachten.
Eine Modelleisenbahn kriege ich sowieso nie wieder. Ich habe schon eine, das reicht.



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