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Drama

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Dürrenmatt beweist als Ausnahme die Regel: Zwischen zynischem Humor und lächerlicher Posse hin- und her mäandrierende Dramen sind nicht das Ding der Schweizer. Und nun das: Ausgerechnet Stadler Rail und sein geerdeter Doyen, Peter Spuhler, spielen die Dramaqueen.

Urschweizerischer geht es nicht: Weltoffen und heimatverbunden. Politisch untadeliges Geschäftsfeld. Solides Produkteportfolio. Im Marktvergleich einzigartige Reputation für Zuverlässigkeit und Qualität. Und doch hat der 'Zügebauer' aus Bussnang kurz die Nerven verloren.

Klammerbemerkung: Die Wortschöpfung der Medien lässt einem bahnaffinen Textmenschen das Blut in den Adern gefrieren. Stadler baut Schienenfahrzeuge. Züge produziert eine Eisenbahnverkehrsunternehmung (EVU): Eine Transportleistung von A nach B. Der Volksmund sagt zwar auch 'Zug' für das Ding, das dann durch die Landschaft fährt: Eine Komposition aus Fahrzeugen. So viel zur Begriffshygiene.

EVU benötigen Fahrzeuge, die Stadler oder seine Konkurrenten nach gewonnener Ausschreibung herstellen und häufig auch warten. Wettbewerb bedeutet, dass nicht immer derselbe gewinnt. Da braucht Spuhler bestimmt keine Nachhilfe, aber die Niederlage gegen Siemens tut weh. Die nächste Generation für die Zürcher S-Bahn: Zu gross und prestigeträchtig. Nachdem Medien und Vox Populi lautstark Skandal riefen, liess sich Stadler dazu hinreissen, den typisch schweizerischen Habitus des schief lächelnden guten Verlierers aufzugeben und gegen die Vergabe Rekurs einzulegen.

Dass dann eine Schlammschlacht gegen die SBB losging, ist nicht Spuhler anzulasten. Es ist immer dasselbe: Politik und Bevölkerung erwarten von den bundesnahen Firmen unternehmerisches Denken und Handeln und halten sie gleichzeitig mit strengen Gesetzen - unter anderem dem öffentlichen Beschaffungsrecht - an der Kandare. Schreien Zeter und Mordio, wenn sie den restlichen Spielraum nutzen. Die SBB hat es getan: Zu Gunsten von Siemens. Ärgerlich für Stadler, aber nicht verboten.

Die Kamele zogen weiter, Trump und die 10-Millionenschweiz sind spannender. Also zieht Stadler nun den vermutlich aussichtslosen Rekurs zurück. Widerwillig und auf der Suche nach Schuldigen: Die Justiz hat, wie sie aus konkurrenzrechtlichen Gründen muss, nur teilgeschwärzte Dokumente nach Bussnang geschickt. Damit nicht Stadler plötzlich die gleichen Fahrzeuge baut wie Siemens. Die Schelte an die Adresse der Justiz: Ein Rückzugsgefecht.

Gut für die SBB und ihre Kunden: Siemens darf nun an die Arbeit gehen, denn mit verspätet gelieferten S-Bahntriebzügen ist niemandem gedient. Was in der Diskussion erstaunlicherweise nie erwähnt wurde: Kein Grossunternehmen setzt bei Beschaffungen freiwillig auf einen einzigen Lieferanten. Klumpenrisiko. Das Beschaffungsrecht behandelt diesen Aspekt als 'Elefanten im Raum': Bloss nicht drüber reden. Hoffen, dass so oder so mal der eine, mal der andere das objektiv messbar bessere Angebot macht.

Fakt ist: Stadler baut gute Fahrzeuge und wird immer wieder grosse Aufträge für die SBB an Land ziehen. Siemens war diesmal innovativer, die Entscheidung der SBB für ihr Angebot somit eine Chance. Mit entsprechendem technischem Risiko. Hinsichtlich Flottenpolitik der einzig richtige Entscheid.

Das darf Herr Ducrot nicht sagen. Aber ich bin sicher, dass er es denkt.

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