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Flugzugzeug

  • 9. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Fliegen... ein Menschheitstraum. Albtraum? In einem überfüllten Flughafen die epische Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen. Auf den verspäteten Abflug warten und dann mehrere Stunden in einer Sardinenbüchse verbringen, gehört nicht zu den Dingen, die ich freiwillig tue. Die Faszination, die Welt von oben zu sehen, hält sich nach dem ersten Erlebnis in Grenzen - umso mehr mit Innenplatz und bei schlechtem Wetter.

Wir fliegen, weil es meistens alternativlos ist. Alternativlos schnell - wir möchten ankommen, nicht reisen. Businesstermin. Kongress. Kultureller Anlass. Ferien: Unsere Zeit ist kostbar. Und bei Überseedestinationen sind alle Alternativen sowieso jenseits von Gut und Böse.

Aber ja: Der Flugverkehr ist klimaschädlich, für seine umfassende Entkarbonisierung keine gute Lösung in Sicht. Die Aviatikindustrie ist seit Jahrzehnten im Steilflug, denn Weltbevölkerung und Wohlstand wachsen und die Wirtschaft ist global. Diese Treiber ausbremsen zu wollen, wäre naiv. Die Therapie riskanter als die Krankheit.

Schwierig. Umso besser, dass uns wieder mal eine Initiative die Illusion vermitteln möchte, es sei einfach. Wir, die wehrhaften Gutmenschen aus der Schweiz, könnten die Dinge zum Besseren wenden. Ein globales Problem lokal lösen. Die Bezeichnung Mobilitätsbon-Initiative ist ebenso unverfänglich wie ungeeignet: Der Mobilitätsbon ist nur eine Art Abfallprodukt der eigentlichen Absicht: Einführung einer distanzabhängigen CO2-Taxe für Flugreisen.

Derartige Instrumente werden seit langem diskutiert und haben ihren Charme. Lenkung: Unnötige Reisen vermeiden. Mehrere Reisezwecke mit einem einzigen Hin- und Rückflug verbinden. Preisgerechtigkeit: Sichtbarmachung der 'sozialen' oder 'ökologischen' Kosten. Im Prinzip tönt das gut, der Teufel liegt wie meistens in der konkreten Berechnung und Ausgestaltung. Eine solche CO2-Taxe müsste aber auch sachbezogen genutzt werden: Meines Erachtens sinnvollerweise für Forschung, Entwicklung und Finanzierung von Lösungen für einen CO2-freien (oder -armen) Flugverkehr. Zur Ergänzung entsprechender privatwirtschaftlicher Aktivitäten.

Genau da liegt die grösste Schwäche der Initiative: Das Geld soll in den Schienenverkehr fliessen. 'Ich bin auch ein Schiff', hat der Zürcher Verkehrsverbund vor einiger Zeit für das kombinierte Angebot geworben. Nun wird allerdings kein einziger Flug ersetzt, wenn wir einen FV-Dosto der SBB mit 'Ich bin auch ein Flugzeug' bekleben. So schlimm sind die Schüttelbewegungen der glücklosen Wankkompensation nun auch wieder nicht, als dass man gleich an Turbulenzen in einer Gewitterfront erinnert würde...

Spass beiseite: Die Schiene hat begrenztes Potential, Flüge in kundgerechtem Sinne zu konkurrenzieren. Paradebeispiel bleibt Frankreich: Der TGV Zürich-Paris ist Tür zu Tür in jedem Fall schneller und bequemer als ein Flug. Die Voraussetzungen sind klar: Hochgeschwindigkeit über 250 km/h auf dem Löwenanteil der Strecke, Distanz bis plus/minus 1000 Kilometer, dichtes und zuverlässiges Angebot. HGV lohnt sich allerdings nur auf Abschnitten, die grosse Verkehrsmengen bündeln. Missachtung dieses Grundsatzes führt zu ungedeckten Kosten, seltenen Verbindungen und halbleeren Zügen. In der Schweiz rechtfertigt höchstens ein 'T' Zürich-Bern mit Stichverbindung aus dem Raum Olten nach Basel ein entsprechendes Investment. Für flugrelevante Relationen ist ein solcher Ausbau irrelevant.

Die Initiative schlägt denn auch vor, Gelder in verbesserte internationale Zugverbindungen zu stecken. Will heissen: Die Schweiz diktiert Netzausbau im Ausland und hilft ihn finanzieren. Gut gemeint, aber funktioniert nicht. Oder höchstens dann, wenn entsprechende Projekte sowieso geplant sind und mit der Zusatzfinanzierung - vielleicht - rascher realisiert werden. Schlechtes Beispiel gefällig? Die Schweiz hat einen namhaften Beitrag an die Elektrifizierung Lindau-Memmingen-Buchloe geleistet, um die Verbindung Zürich-München zu verbessern. Resultat: Hochgradig instabiles Angebot, das nicht skaliert. Weder längere Züge noch ein Stunden- statt Zweistundentakt sind auf der von Deutschland minimalistisch (Einspur) ausgebauten Infrastruktur möglich.

Und der namengebende Mobilitätsbon? Ein Zückerli. 100 Franken öV-Gutschein für alle. Ein Almosen für heutige öV-Nutzerinnnen und -Fans; alle andern werden damit ein Tagesreisli machen, auf das sie sonst verzichtet hätten. Impact auf CO2? Null. Verlagerung von Flügen? Null. Giesskanne. Massnahme aus dem Fundus des Linkspopulismus.

Und der Lenkungseffekt der vorgeschlagenen Taxe? In Schiphol, Frankfurt, Malpensa und den anderen mit der Bahn oder dem Flixbus (München!) relativ gut erreichbaren Hubs reibt man sich die Hände. Die Schweizer werden kaum weniger fliegen. Aber anders.

Seit 45 Jahren fahren wir mit dem Zug bequem direkt an den Zürcher Flughafen. Zug zum Flug ist ideal, Zug statt Flug angesichts der Nachfrage höchstens eine Nischenlösung. Diese Initiative macht einmal mehr Symbolpolitik, flankiert vom Mahnfinger. Das Flugzugzeug ist ein Fabelwesen. Vor allem dann, wenn man ihm ein Schweizer Kreuz auf den Rücken pinselt. Eine EU-Flagge müsste es mindestens werden. Was auch keine wirkungsvolle Lösung garantiert.

In der Verkehrspolitik müssen wir da ansetzen, wo wir die Ressourcen in der Hand halten: Im Inland. Im Roman Level zwei weiss Martin Haller, wie er es anstellen würde: Mobility Pricing. Abbau der finanziellen und anderen Hürden auf dem Weg zur effizienteren Kombination von Bahn und Auto. Ich teile seine Ansichten.


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