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Haller vs. Rösti

  • daehlert
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Bitte nehmen Sie es als Ansporn, Herr Rösti: Für ihre jüngsten Aussagen zum Ausbau des Verkehrsnetzes gebe ich Ihnen eine knappe Drei. Höchstens.

Nach monatelanger Bedenkzeit äussert sich das UVEK nun inhaltlich zur Weidmann-Studie. Und, welch ein Wunder: Es werden wieder Projekte aufgezählt. Einmal die bereits so gut wie beschlossenen, wie der Genfer Tiefbahnhof oder das vierte Gleis in Stadelhofen. Rösti stellt den Viertelstundentakt Bern-Zürich und den Halbstundentakt Bern-Luzern in Aussicht, aber was Grimseltunnel und die Neubaustrecke nach La Chaux-de-Fonds dazu beitragen, muss er uns später noch erklären.

Wie befürchtet: Der Weidmann-Bericht ist eine Nullnummer. Das Gequengel um den Netzausbau geht in die nächste Runde. Basel verzichtet grossmütig auf das 'Herzstück' und begnügt(!) sich mit einer Durchmesserlinie zum Badischen Bahnhof. 'Wenn du einen Baum möchtest, verlange einen Wald.'

Die ETH habe im letzten Herbst einen ganzheitlichen Ansatz zur verkehrlichen Zukunft geliefert, wird gerne behauptet. Strassen- und Schienenprojekte werden in einem Dokument einzeln priorisiert und mit ein paar Floskeln zu 'fehlenden Gesamtkonzepten' verziert. Klarer Fall von 'More of the same': Professor Weidmann ist bloss ein weiterer Exponent der Schweizer 'Verkehrsnomenklatura', die sich zum Milliardenpoker geäussert hat.

Ganzheitlich? Martin Haller wüsste, wie es geht. Überzeugter Bähnler, seit sechsunddreissig Jahren bei SBB Infrastruktur. Mit Albert eine Runde im Quartier drehen, das wär’s. Würden Entscheidungsträger und Experten ab und zu gemeinsam spazieren gehen, statt endlos zu sitzen, wäre die Welt vielleicht fortschrittlicher. Im Wortsinn.

Leider kann Rösti das Angebot nicht annehmen, denn Haller ist fiktiv. Spazierengehen wollte er 2022 nicht mit dem Bundesrat - damals noch Frau Sommaruga -, sondern mit dem CEO der SBB. Aber seine Prognose war richtig: Dieser Hickhack dauert noch Jahre. Die desillusionierte Feststellung sowieso: Weitblick kennt kein Kochrezept. Wir – alle, die eine zukunftsgerichtete Eisenbahn wollen –, müssen uns eingestehen, dass wir mit den geplanten Ausbauschritten ins Stumpengleis fahren.

In den nächsten Wochen publiziere ich meinen zweiten Roman. 'Level zwei'. Das Testexemplar ist schon da, Grundlage für letzte Retuschen. Keine Angst, es geht nicht nur um den leidigen Netzausbau - es wird auch gebloggt, gelästert und geliebt. Anfangen ist nicht einfach, aber Aufhören noch schwieriger: Nun muss ich Martin, Muriel, Julia, Marie, Tim, Fabian, Tobias und alle anderen hinausschicken in die grosse weite Welt. Keine Dreamworld, aber sie metzgen sich ganz gut.

Level zwei. Das Buch trifft den Nerv. Es passt ausgezeichnet zur wieder aufgeflammten Diskussion um den Netzausbau: Wir brauchen eine Bahn 2100 als Gesamtziel, ausgerichtet auf die Herausforderungen und Lösungen eines intermodalen Personenverkehrs für alle: Städte, Agglo, Landbezirke. Dazu müssen wir die Finanzierung und Kostenverteilung radikal neu denken. Die richtigen Anreize setzen, denn nicht das soundsovielte Projekt ist ein Game-Changer, sondern Mobility Pricing. Die ideologische Blockade linksgrüner Parteien und ihrer Verbände gegen das Auto hilft uns so wenig aus der Sackgasse wie das lokalpolitische Gerangel um öV-Prestige.

Was sagt Haller zu seinem Chef? Die Schweiz könnte sich im Prinzip einen massiven Weiterausbau leisten, aber dazu fehlt uns die wirkungsvolle Governance: Eine Kraft, die langfristig plant, statt das Wunschkonzert partikulärer Interessen abzunicken.

Herr Rösti, lesen Sie 'Level zwei'! Ihr Gratisexemplar liegt bereit. Als Trost für die schlechte Note.

Träumen ist erlaubt.

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