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Romantisch (1)

  • daehlert
  • vor 7 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Es ist mitten im Winter. Wir sehnen uns nach dem Frühling. Und nun das: Die romantische Liebe hat ausgedient! Freundschaften würden der Paarbeziehung den Rang ablaufen. WG statt Heirat, erklärt uns das NZZ Magazin und titelt: 'Das grosse Entlieben...' Da wird ein riesiges Fass aufgemacht. Zu gross für einen einzigen Blog.

Der Titel ist irreführend: Es geht um gesellschaftlichen Wandel, nicht um die Neuerfindung der menschlichen Gefühlswelt. Kein neues Klischee zur Gen Z. Die Trends reichen Jahrzehnte zurück. Mindestens bis zu den Kommunen der Hippies, die wir schon vergessen haben.

Romantisch...

Ein positiver Begriff. Hier wird er neu besetzt - als Synonym für die herkömmliche Gesellschaftsnorm 'Paarleben'. Unglückliche Wortwahl: Es geht um Profanes - eine Lebensform, welche der Staat immer noch als die übliche und richtige darstellt. Deren traditionelles Ziel war nicht das menschliche Wohl, sondern die obrigkeitliche Einhegung der Sexualität und moralische Kontrolle. Juristisch verbindlich. Noch immer betrachten unsere Konservativen die Ehe als staatstragend. Das finde ich nicht romantisch, sondern übergriffig. Auch ich wurde noch weitgehend in diesem (Un)Sinn und (Un)Geist sozialisiert.

Wer möchte, darf selbstverständlich als Paar konventionell zusammenleben. Auch gegen eine Zeremonie ist nichts einzuwenden. Falsch ist hingegen das allzu menschliche Bedürfnis, die Dinge in Stein zu meisseln: Selbsttäuschung. Trennung heisst nicht Scheitern, denn Menschen und ihre Bedürfnisse ändern sich. Was heute ein Match, ist morgen ein Fail. Dies einzusehen, ist mutiger und respektvoller als Ausharren.

Abgeschafft gehört nicht bloss die staatlich geschützte Institution 'Ehe', sondern das Märchenbild vom idealen Paar, das sich in unsere Köpfe eingebrannt hat. Liebe kann man nicht versichern. Man darf sich in schönen Momenten 'wir gehören zusammen' zuflüstern, aber, toxischer Irrtum: Man besitzt sich nicht. Eifersucht. Nötigung - nicht nur sexuell. Gewalt - physisch und mental: Das idealistische Klischee setzt negative Energien frei, wenn die Ent-Täschung am Selbstgefühl nagt. Zweisamkeit wird zur Falle. Zur Verzweifeltsamkeit.

Jede Form menschlicher Gemeinschaft ist ein Deal zwischen den Betroffenen, und nur ein Win-Win ist tragfähig: Das müssen wir unserer Jugend vermitteln. Geheime Regeln. Einflussnahme von Familie und Autoritäten. Totgeschwiegene Diskurse: Lauter Feinde der Liebe. Monogam? Wem's gefällt. Kinder? Müssen nicht sein. Die Wohnung und das Konto teilen? Kein Naturgesetz. Das gemeinsame Bett schon gar nicht. Dies alles und viele andere Grundsatzfragen klären die beiden (oder drei? vier?) am besten am Anfang der Beziehung.

Der Staat darf und soll weiterhin einen Vertragsraster und gesetzliche Verbindlichkeiten bereitstellen, Fokus auf Veränderung oder Auflösung inklusive. Mit viel Spielraum für individuelle Regelungen und, selbstverständlich, ohne Blick unter die Bettdecke. Geschützt werden müssen wirtschaftliche Verflechtung - darunter fällt auch jede WG - und Elternschaft. Die Partner bleiben in jeder Hinsicht unabhängige Individuen, und jede Vereinbarung ist nach fair festgelegten Regeln kündbar. Knall auf Fall vor die Türe gestellt werden, dürfte höchstens in Filmkomödien passieren: Rache ist nicht süss, sondern sinnlos.

Ich verstehe alle, die sich aus diesen Endlosschleifen befreien möchten. An der Ehe festzuhalten, bis sie nur noch wenige streng religiöse Menschen schliessen möchten, ist falsch. Denn dann lässt man die Mehrheit allein.

Paarleben ist keine Voraussetzung für ein erfülltes Dasein, sein Ersatz durch Freundschaften kein Zukunftsmodell. Eine bestimmte Liebe kann versickern, abbröckeln, wegbrechen. Aber 'entlieben' kann man die Gesellschaft nicht.

Hoffentlich. Denn ich liebe mutige Love Stories, die auf Freiheit reimen.

Dazu mehr in einem nächsten Beitrag.

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