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Schlimm

  • vor 6 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Meine erste Reaktion war: Unglaublich! Dass ein Postauto innert Augenblicken im Vollbrand steht, hätte ich nicht für möglich gehalten. Unwahrscheinlich, und doch ist es passiert. 'Restrisiko'.

Tragödien wie die in Kerzers wecken Emotionen. Wie es sich anfühlt, in einem Feuerball zu sterben, will ich mir gar nicht vorstellen. Was Eltern, Partner und Freunde empfinden, die plötzlich einen nahestehenden Menschen verlieren, hingegen schon. Für sie macht es, denke ich, keinen Unterschied, ob das Ereignis in den Schlagzeilen steht. Oder ob der Verletzte, die Tote später höchstens als Symbolfigur in einer Statistik erscheinen.

Darum habe ich Mühe, die 'Fremdweinenden' zu verstehen. Menschen, die sich in einen Trauerzustand hineinsteigern, obschon sie das Ereignis nicht direkt betrifft. Warum? Weil es in der Nähe passiert ist? Weil man sich sonst nie existenzielle Fragen stellt? Irgendwie irrational. Aber die Medien lieben sie, diese Schockierten. Schrecken fasziniert.

Mich nicht.

Über 'Aasgeier' habe ich schon gebloggt: Sie leben vom Pech der anderen. Kaum ist Schlimmes geschehen, geht der Rummel los: Warum? Wer ist schuld? Wie kann man das verhindern? Natürlich soll man diesen Fragen nachgehen. Falsch ist: 'Man'. Dazu braucht es Spezialisten und Expertinnen. Mit grauen Hirnzellen. Ohne Schreckenstrauma.

Öffentliches Lamento und vorschnelle Hypothesen schüren Empörung und münden in extremis in einer Art Lynchjustiz. Crans lässt grüssen. Klar: Da wurde geschlampt. Aber gleich einen ganzen Kanton und seine Behörden auf die Anklagebank zu schieben, ist so hässlich wie der triste Fall an sich. Der seriösen Aufklärung ist es sowieso nicht förderlich. Das Statement von Ex-Bundesrat Leuenberger in einem Interview der NZZ lässt aufhorchen: Die Behörden würden zu 'populistischen Entscheiden' verleitet. Sprich: Massnahmen treffen, die der Mob erwartet. Die schaden und nichts bewirken. Oder sogar illegal sind. Schlimm!

Beim Fall mit dem Bus wurde der Postchef gefragt, ob nun die Chauffeure besser ausgebildet würden. Pietätlos! Was hat der Mann falsch gemacht? Er hat zum Feuerlöscher gegriffen, statt sich durch die vordere Tür in Freie zu retten. Und dabei sein Leben gelassen. In einem anderen Beitrag wurde der Hergang rekonstruiert: Die Oper seien im hinteren Teil des Fahrzeugs in der 'Todesfalle' gesessen. Schlimm! Schlussfolgerung: Die angefragten Hersteller würden sich hinter dem Argument 'verschanzen', ihre Busse erfüllten die Sicherheitsnormen. Was, bitte, sollen sie denn sonst? Beides stand in Qualitätsmedien zu lesen, wohlverstanden.

Da wird das Publikum in Unwissen und Irrtümern bestärkt. Ereignisse wie in Kerzers sind nie monokausal. Erst das zufällige Zusammentreffen verschiedener Umstände machen den Unfall zur Katastrophe. Risikomanager müssen Schadensausmass gegen Eintreffenswahrscheinlichkeit abwägen, denn jede Verschärfung der Vorschriften hat ein Preisschild. Nicht nur finanziell. Mögliche Amoktäter und andere Ausraster kann man sowieso nicht einfach aussortieren. Denn sie sind... unberechenbar.

Wir müssen - wieder? - lernen, Schlimmes zu akzeptieren. Ohne Fatalismus, aber mit Augenmass. Und etwas Geduld. Wer solche Fälle aufklären muss, hat keinen Schoggijob. Es wäre nett, wenn die Medien auch daran dächten.

Der dümmste Kommentar? Es werde sich zeigen, ob die Leute künftig noch angstfrei ins Postauto steigen. Klar. Man müsste sofort alle Treppen verbieten. Die Velos. Wanderwege. Das Sterben... Pardon!

Wir müssen das Leben wagen. Alles andere wäre... schlimm.

Heikles Thema. Ich teile hier meine persönliche Meinung. Wie immer. Vielleicht erzähle ich damit vor allem auch über mich. Wie rationale Kopfmenschen denken. Darum setze ich diesen Beitrag in die Kategorie 'Über mich'.

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