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Verkehrt

vor 13 Stunden
3 Min. Lesezeit

Habt ihr es bemerkt? Mein Wettbüro läuft wie geschmiert. Erstaunlicherweise wird gar nicht so sehr über die Nachfolge im Bundesrat gerätselt. Das Thema der Woche war vielmehr Beat Jans: Ob er das EJPD verlassen möchte. Sollte. Wer es dann kriegt. Die SVP meint, die Nachfolgerin von Parmelin. Pardon, es könnte auch ein Nachfolger sein: Esther Friedli hat abgesagt. Running Gag. Also doch Céline Amaudruz???

Diesmal komme ich auf ein Lieblingsthema zurück: Verkehr 2045. Von der Finanzprüfungskommission bis zum ehemaligen Fahrplanchef und Bahn 2000 Guru Werner Wildener herrscht Konsens: Unbrauchbar. Der Weidmann-Bericht war eine Nullnummer. Oder schlimmer: Jetzt wird Rösti mit seinen Ausbauplänen für Strasse, Agglo und Schiene erst recht in die Pfanne gehauen. E Guete!

Bei aller Bescheidenheit - ich habe das Debakel prognostiziert: Der Chor der mehr oder weniger kompetenten und prominenten Kritiker (-innen?) ist eine Kakophonie. Zwei Punkte stechen heraus: Die im Gutachten gesetzten Prioritäten sind intransparent, und der Grimseltunnel ist, wenn schon, ein Tourismusprojekt, das der Verkehrsentwicklung der Schweiz in keiner Weise dient. Im übrigen läuft es wie immer: Jeder will nur sein Lieblingsprojekt. Es soll gespart werden, aber bitte anderswo. Nur Benedikt weibelt wie immer dafür, am besten nichts mehr neu zu bauen. Gute Idee: Dann sind alle gleichermassen frustriert.

Habe ich 'Prioritäten' gesagt? Die aktuelle Debatte zeigt, wie wenig Politik und – ich kann es kaum glauben! - ETH vom Schienenverkehr verstehen. Die Bahn ist kein Auto auf Schienen: Der Zugang zur Strasse ist 'chaotisch' - der Begriff ist deskriptiv gemeint und nicht despektierlich. Jede und jeder kann irgendwann von irgendwo nach nirgendwo fahren. Wenn zu viele gleichzeitig dieselben Transportbedürfnisse haben, gibt es Stau.

Die Eisenbahn hingegen fährt nach Plan, auch bei Bauarbeiten, Grossanlässen und kurzfristigen Transportbedürfnissen. Der 'normale' Jahresfahrplan wird in vielen Abstimmungsrunden zwischen Politik, Eisenbahnen und Nutzerlobbys erarbeitet. So werden Konflikte vorausschauend bereinigt und es entsteht ein optimaler Kompromiss auf Basis der verfügbaren Infrastruktur. Will man mehr, muss gebaut werden.

Damit sind wir beim Kernproblem von Verkehr 45: Es fehlt ein konkretes Angebotsziel. Darüber sollten Politik, Eisenbahnen und Nutzerklubs debattieren, nicht über Projekte! Diese stehen, quasi als Preis- und Terminschild, hinter den gewünschten Fernverkehrslinien, S-Bahnkonzepten, Haltemustern und Fahrzeiten.

Das Angebot bedingt Ausbauten, nicht umgekehrt. Das ist das Prinzip der Bahn 2000.

Fazit: Was jetzt und schon seit Jahren geschieht, ist nicht Verkehrs- sondern Verkehrtplanung. Wir geben gerade einen Trumpf aus der Hand, um den uns Eisenbahnexperten im Ausland beneiden. Politikerinnen und Journalisten wissen es nicht besser und haben ihre eigene Agenda. Dass ein ETH-Team versucht, Projekte zu klassieren, ohne einen Zielfahrplan zugrunde zu legen, betrachte ich als unprofessionell. Von wissenschaftlich wollen wir schon gar nicht reden.

Nur ein Zielangebot kann aufzeigen, welche Projekte nötig sind. Wenn nur auf die Stars der Ausbauwünsche - neue Streckenabschnitte, Tunnels, Tiefbahnhöfe - geschaut wird, geht vergessen, dass die Züge, die dann dort neu oder schneller verkehren können, irgendwoher kommen und irgendwohin fahren. Wenn in diesem Zulaufsbereich ein Entflechtungsbauwerk, ein Gleis, ein Bahnsteig oder auch nur eine Weichenverbindung fehlen, nützt das milliardenteure Objekt wenig oder gar nichts. Vorsicht: Das kann man nicht Pi mal Daumen abschätzen. Stabiler Bahnbetrieb ist eine Frage von Zehntelsminuten: Der Zielfahrplan muss die nötige Detailtiefe aufweisen.

Seltsam: Bin ich der einzige, der das weiss? Wohl kaum.

Warum liest man dann nicht mehr darüber in der Presse? Vielleicht sollten sie mal Martin Haller interviewen. Richtig, der aus dem Roman Level zwei. Aber ich möchte nicht darauf wetten, dass es passiert.

Schade. Ich habe noch ein paar Exemplare im Vorrat.

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